Lebensqualität trotz Demenz!

Menschen mit einer Demenzerkrankung gehören zu der verwundbarsten Gruppe im Pflegeheim. Die bauliche Gestaltung einer Pflegeeinrichtung, in der Menschen mit einer Demenzerkrankung betreut werden, sollte deshalb nach milieutherapeutischen Gesichtspunkten geschehen. Der milieutherapeutische Ansatz geht davon aus, dass die Gestaltung des Wohnumfeldes eine große Wirkung auf das Verhalten dieser Personen hat und deren Krankheitssymptome nachhaltig beeinflusst.

Ziel ist es, den äußeren Rahmen und den zwischenmenschlichen Umgang den Bedürfnissen der Menschen mit Demenz anzupassen und nicht den kranken Menschen an die Bedingungen einer stationären Einrichtung. Die baulichen Begebenheiten unserer Einrichtung wurden so verändert, dass sie den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen. Der Wohnbereich ist in L-Form angelegt mit einem zentral gelegenen Gemeinschaftsraum.

Direkt an den Gemeinschaftsraum schließt sich ein verglaster Pflegestützpunkt an, von dem aus der gesamte Wohnbereich einsehbar ist. Die Menschen mit Demenz erhalten in dieser übersichtlichen Umgebung Anregung ohne Überforderung, dies fördert das Gefühl der Sicherheit und des Zuhause-Seins.

„Gezielt eingesetzte, gestalterische Elemente wie z. B. ein Dorfplatz, eine Erinnerungsecke und eine Kommode zum „gruschteln“ wecken das Interesse des Erkrankten und bieten Anknüpfungspunkte an sein früheres Leben“, weiß Annekathrin Faißt-Bendel, Fachleiterin des Wohnbereichs für Menschen mit Demenz im Seniorenzentrum Waldheim.

Beschreibung der Räumlichkeit und Ausstattung:

Der in Längs-Bauform angelegte Wohnbereich ist in freundlichen warmen Farben gestaltet. Bei der Ausleuchtung wurde auf die Vermeidung von Schattenbildung geachtet. Die große talseitige Fensterfront ermöglichen den Blick nach draußen und sorgen für natürlichen Lichteinfall. Die Küchenzeile lädt zum Kochen und Backen ein. Zwei gemütliche Relax-Ruhesessel entlasten in der Liegeposition die Wirbelsäule und erlauben ein erholsames Nickerchen. Die Ausgangstüren sind mittels einer Bodenschleife überwacht (Wegläuferschutz). Eine gemühtliche Sitzgruppe ziert den Dorfplatz, einfach ein gemütlicher Platz für eine Unterhaltung. Nie alleine: Das Pflegedienstzimmer ist verglast, so können die Bewohner die Pflege- und Betreuungskräfte sehen und natürlich auch andersherum. Mindestens eine Betreuungskraft ist in der Regel im Wohnbereich ständig anwesend.

Im Waldheim ist das gesamte Pflegteam sowie das Hauswirtschaftsteam auf den Umgang mit unseren an Demenz erkranken Bewohnern geschult. Konflikte meiden (Deeskalation) sowie Geborgenheit und Verständnis vermitteln, sind dabei wichtige Elemente.

Singen und Musik spielen in der Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen eine große Rolle. Alte Volkslieder oder Schlager sprudeln oftmals gerader nur so heraus und lassen die Senioren in die Zeit ihrer Jugend bzw. ihres jungen Erwachsenenalters zurück reisen. An diese Zeit sind bei den meisten Menschen mit Demenz noch lebendige Erinnerungen vorhanden. Strahlende Gesichter sprechen dann eine deutliche Sprache.

Unsere Betreuungskräfte wurden in einem Fachlehrgang speziell geschult und bringen auch selbst die persönliche Eignung für diese anspruchsvolle Aufgabe mit. Kurzaktivierungen je nach Tagesform der Betreuten, verlangen äußerste Flexibilität und großes Organisationstalent. Die Persönlichkeit und die Biographie des Betreuten spielen dabei eine große Rolle. Etwas sinnvolles tun wie z. B. Handtücher zusammenlegen oder bügeln, dies sind häufig die von je her gewohnten Tätigkeiten und lassen Zufriedenheit und Selbstwertschätzung erfahren. Zuhören können, Zuneigung vermitteln und auch selbst annehmen, dies sind die Voraussetzungen für die Betreuung an Demenz erkrankter Menschen. Auch die Fähigkeit sie in ihrer eigenen Gedankenwelt zu führen und zu begleiten (Milieutherapie) gehören zu den Erfolgsrezepten einer guten Betreuungskraft.

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